Bürgerverein zu St. Georg von 1880 e.V.

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    Einschulung – ein Countdown

    Von Buerger von St. Georg, 09.09.2011.

    Fünf Tage vorher: Elternabend

    Gut zwanzig Erwachsene sitzen auf  viel zu kleinen Stühlen. Sie betreten den Raum und  vom Flur her hört es sich an, als stünde man vor einer großen Voliere – lauter aufgeregtes Gezwitscher. Wer hat je behauptet, dass die Einschulung nur die Kinder nervös macht? Eine Lehrerin und eine Erzieherin stellen sich artig vor, dann wird es ruhiger und die Vogelschar lauscht mit aufgesperrten Schnäbeln. Am Ende des Abends wurden Kinderfotos weitergereicht, Schulvereinsmitgliedschaften begründet, eine Menge Organisation besprochen und mit Erleichterung festgestellt: alle sind gleichermaßen gespannt und können den großen Tag kaum erwarten.

    Am Abend davor:

    Der Schulranzen steht bereit. Die Großeltern sind angereist. Die Paten kennen die Adresse der Schule – aber das Kind schläft einfach nicht. Es platzt fast vor Aufregung und das ganze Zappeln muss einfach raus. Es hilft nichts: heute Abend wird das Kind, auch wenn es dem schon längst entwachsen ist, nur in Mamas Arm einschlafen. Irgendwer muss das Gezappel einfach festhalten. Mit der Methode ist innerhalb von zwei Minuten Ruhe.

    In aller Herrgottsfrühe:

    „Ist es schon Zeit zum Aufstehen oder ist noch Nacht?“. Ich wünsche mir ganz fest, das zu träumen, aber es nützt nichts. Neben meinem Bett steht ein frischgebackenes Schulkind. Wir haben noch locker zwei Stunden, bis unser Wecker klingelt, aber wir werden ihn heute nicht brauchen. Seufzend stehe ich auf, und obwohl noch viel Zeit ist und das übliche Trödeln heute dreifach lange dauern dürfte, steht das Kind in Rekordgeschwindigkeit gewaschen und angezogen wieder neben mir. Ich preise den Umstand, dass das Frühstück bereits vorbereitet war und den Menschen, der den Kaffee erfunden hat. Irgendwann sind wir fast so weit, das Haus zu verlassen. Das Kind mustert uns und fragt ganz harmlos :“ Papa, heute ist doch ein festlicher Tag, oder?“ Dem kann man nur zustimmen. „Dann könntest Du doch heute eine Krawatte anziehen, oder?“ Merke: Schulkinder kennen Fangfragen. Mein Mann holt brav eine Krawatte, die zum letzten Mal zu Weihnachten zum Einsatz kam und verliert einige Schweißtropfen an den perfekten Windsor-Knoten, bevor wir endlich gehen.

    Kurz vor neun:

    Vor der Kirche findet ein Schaulaufen der neuesten Schulranzenmodelle statt. Einige Kinder schleppen bereits Schultüten mit. Eltern geben hinzukommenden Verwandten Handzeichen. Es wir kreuz und quer gegrüßt.

    Irgendwann vor zehn:

    Die Kinder stehen in der Kirche und werden von Pfarrer und Imam gesegnet. Ein schöner Start. Trotzdem mault mein Kind, dass hier nicht gerechnet wird. Es will rechnen und zwar pronto. Und da nun alles Spannende hier vorbei ist, will es sofort zu den Zahlen. Und als hätte ein Zuständiger das Gemaule gehört, ist die Veranstaltung vorbei und es geht Richtung Schule.

    Zehn Uhr:

    Die Familien kommen in der Aula – hier heißt sie Paula – an. Vor der Paula steht eine Delegation mit Freunden aus der KiTa. Das Kreischen und Winken vermittelt den Eindruck, man hätte professionelle Groupies vor sich. Das Kind schwebt infolgedessen in die Paula und verschwindet irgendwo in der ersten Reihe. Für die Eltern sind die hinteren Ränge gedacht. Einer kurzen Ansprache folgen Aufführungen der zweiten Klassen: Puppentheater, ein Rap, Lieder. Dann gehen die Kinder mit ihren Klassenlehrern und Erziehern in ihre Klassenräume. Es sind 68 Erstklässler, die zu etwa zwei Drittel aus St. Georg kommen und in diesem Jahr eine Vierzügigkeit der Heinrich-Wolgast-Schule begründeten. Vier neue Lehrer und fünf neue Erzieher sind unter anderem Ergebnis dieses regen Zulaufs – aber auch dem neuen Dasein als Ganztagsschule geschuldet.

    Gegen elf Uhr:

    Die Gelegenheit ist gut: alle Eltern sind da und für eine offenbar praktisch veranlagte Direktorin ist das der beste Zeitpunkt, ein paar Worte über gemeinsame Vorhaben und wichtige Regeln zu verlieren. Die Ansprache ist angenehm kurz und macht gleich klar: die Schule nimmt sich viel vor, die Kinder werden mit Herzlichkeit begrüßt und kommen in einer Gemeinschaft an, die viel Freiraum bietet, aber auch den Respekt vor einigen Regeln einfordert. In den meisten Punkten nicht überraschend, aber sehr wichtig, das einmal auszusprechen.

    Vor halb zwölf:

    Die Veranstaltung in der Paula ist vorbei und die Eltern warten auf dem Schulhof darauf, die Kinder in den Klassen abzuholen. Es bilden sich kleine Grüppchen, die sich ihre Aufregung von der Seele schwatzen. Gegenüber, im Backhus, ist der Belagerungszustand eingetreten. Alle wollen Kaffee oder ein belegtes Brötchen.

    Punkt halb zwölf:

    Die Eltern stehen in Trauben vor dem Klassenraum. Die Tür geht auf und endlich finden Eltern und Schulkind wie zwei vermisste Puzzleteile wieder zusammen und gehen mit einem Schwarm von Freunden und Verwandten nach Hause.

    Dort mag der Rest des Tages ganz unterschiedlich ausgesehen haben. Gemeinsam wird allen Haushalten das unbestimmte Wissen um Ende und Anfang eines Lebensabschnitts gewesen sein. Etwas, das an manchen stellen Furcht einflössend ist, aber auch den Reiz des Exotischen hat. Denn Schule ist heute so anders als zu Zeit der Eltern. Und für die Kinder ist es das diffuse Versprechen eines anderen, erwachseneren Daseins.

    Drei Tage danach:

    Die Aufregung hat sich gelegt, trotzdem ist jeder Tag noch spannend, weil es immer noch so viel Neues gibt.  Wir sind mit der Schulwahl zufrieden. Sicher wird es im Laufe der nächsten vier Jahre nicht immer nur eitel Freude und Sonnenschein geben, aber wir haben den Eindruck, dass es viel guten Willen und die Bereitschaft gibt, Probleme besonnen zu lösen.

    Sabine Korndörfer

     
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