Bürgerverein zu St. Georg von 1880 e.V.

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    Wir haben ihn und er hat uns

    Von Martin Streb, 01.11.2014.

    Der Hauptbahnhof beeinflusst unser St.Georg in großen Teilen. Wir sind das Bahnhofsviertel von Hamburg. Wir sind aber auch das Entree für täglich tausende Besucher der Freien und Hansestadt. Und wir sind Anlaufpunkt wie auch Durchgang für hunderttausende Reisende täglich. Der Bahnhof ist zudem eine stark besuchte immer übervolle Einkaufs- und Gastromeile.

    Ganz nebenbei ist der Hauptbahnhof dann auch noch Bahnhof für täglich hunderte Züge im Nah- und Fernverkehr, für U- und S-Bahnen. Die Leistung der DB-Mitarbeiter auf den wenigen Gleisen in einer Art verengtem Hohlweg, wie in einer Düse die Verkehre seit Jahrzehnten störungs- und unfallfrei durchzuschleusen ist zu bewundern.

    Gebaut wurde der Hauptbahnhof in etwa zeitgleich mit dem gründerzeitlichen St. Georg, wie wir es heute kennen. Verglichen mit den großzügigen Bahnhöfen in Berlin,  Leipzig oder Dresden, um nur einige zu nennen, ist der Hamburger Hauptbahnhof geradezu klein. Und das obwohl er mit täglich ca. 450.000 Besuchern der frequentierteste Bahnhof Deutschlands sein soll. Alte Bilder beweisen es war schon früher so. Wir lieben Ihn unseren kuscheligen vom Kaiser abgesegneten Hauptbahnhof und dürfen deshalb Kritik üben.

    Sein Umfeld ist absolut desolat und einer (selbsternannten) Weltstadt völlig unwürdig. Die Flächen vor allen seinen vier Seiten haben keinerlei Aufenthaltsqualität sind weder einladend noch gar repräsentativ gestaltet.

    Der Hachmannplatz mit dem unsäglich schweren, nachträglich gebauten Vordach wird beherrscht von 40- 50 Taxen und einem wuseligen und dabei unansehnlichen Parkplatz. Er ist vermüllt oder einfach dreckig und da hilft auch die Dauerbeschallung mit klassischer Musik nichts. Sie soll übrigens weniger der Erbauung dienen als vielmehr der Vertreibung von Menschen, die andere Musik oder gar keine Musik lieben. Wer ist gemeint? Der Heide-Kabelplatz ist schlicht lächerlich und kann sich gegenüber dem vorgelagerten Parkplatz nicht behaupten. Das zugegeben nicht besonders ansehnliche Pissoir konnte von der Millionenstadt Hamburg nicht sauber gehalten werden. Es fehlte das Geld für eine 24-Stundenstelle. Unglaublich und mit der Folge von diversen stinkenden Pinkelecken, weil die versteckten öffentlichen WC`S für viele viel zu teuer sind. Ist Kommerz beim Betrieb der WC`S hier tatsächlich richtig und unverzichtbar?

    Die Flächen zum Steintorwall und Glockengießerwall sind gar nicht so klein. Sie könnten ihre Aufgabe als Übergang in die City als attraktive Stadtträume durchaus wahrnehmen. Es sind jedoch „Durchrennzonen“, die man und frau sofort verlässt. Mit der Ausnehme der Neupunks, die sich im Strom der Passanten niederlassen. Haben sie die möglichen Qualitäten des Ortes erkannt? Es ist nicht zu begreifen warum die Westseite des Hauptbahnhofes so abweisend sein muss. Die Bahnhofsmission ist hier angesiedelt und sollte mit ihrer segensreichen Arbeit dort auch bleiben, aber wieso nicht in Nachbarschaft mit anderen Nutzungen und mit mehr Offenheit? Es ist nicht zu begreifen, warum in Richtung Kunsthalle nichts anders möglichsein soll als ein Parkplatz, der noch dazu von 3 privaten Autovermietern genutzt wird. Gegen welche Gebühr?

    Die Steintorbrücke ist nur noch eine Verkehrsader, die man und frau so schnell wie möglich verlässt. Dabei könnte gerade sie als Südseite zu einem angenehmen Ort entwickelt werden. Aber es stinkt dort erbärmlich. Dazu siehe oben.  Bei einer Öffnung der Brücke zum Südsteg des Hauptbahnhofes könnte diese völlig überlastete „Passage“ deutlich entlastet werden. Die DB hätte zudem gerne eine Überdachung der Steintorbrücke mit Treppen und  Rolltreppen zu den Südenden der Bahnsteige. Der Durchgangsverkehr bis auf die Busse müsste verschwinden und Kioske oder Ähnliches angesiedelt werde. Das ist doch eine tolle Chance, die genutzt werden sollte. Sicherlich ist das im Hinblick auf die architektonische Gestaltung eine sensible Aufgabe für Architekten und Denkmalschützer. Es sollte sich lohnen.

    Völlig abwegig ist die Nutzung der nördlichen Brücke über die Gleise vom Hachmann- und Heidi-Kabel-Platz zum Glockengießerwall. Hier herrscht Hinterhofatmosphäre. Die Anlieferung der Gastrobetriebe ist noch das freundlichste. Alle möglichen Ablageflächen, Müllcontainer, Pinkelecken und Mitarbeiterparkplatze bestimmen das Bild. Schon gar nicht darf hier auch noch ein Trinkraum angesiedelt werden. Dabei wäre es sehr einfach die Gastrobetriebe hierhin zu öffnen. Die Fensterflächen sind schon da. Endlich könnte der grandiose Ausblick über die Gleisanlagen zur Kunsthalle und weiter zur Silhouette an der Alster genossen werden. Ein Stück Hamburg käme neu ins Erlebnisbild der Bürgerinnen und Bürger und unserer Besucherinnen und Besucher.

    Für die Erneuerung, die Neuinterpretation des Stadtraumes um den Hauptbahnhof sind visionäre Bilder, Wunschbilder, Leitbilder und Zukunftsideenideen unverzichtbar. Nur mit diesen ganz konkreten Bildern im Kopf kann Hamburg diese großartige Aufgabe meistern. Verkehrsanalysen und Verkehrsgutachten sind überhaupt nicht erforderlich. Es muss ein Ziel, eine Vision geben und die Verkehrsplaner müssen sich danach richten und nicht umgekehrt. Wir fordern daher zum wiederholten Male einen evtl. sogar internationalen Wettbewerb unter Beteiligung möglichst vieler Architekten, Stadt-und Freiraumplaner. Sie können diese Bilder finden.

    Was hat das alles mit St. Georg zu tun? Sehr viel! Der Hauptbahnhof strahlt in unseren Stadtteil aus.

    Die leidenschaftliche Debatte über die Vertreibung von Randgruppen wie Alkohol- und Drogenabhängigen, Obdachlosen, Bettlern, Strichern und Prostituierten beruht auf den subjektiven Gefühlen vieler Menschen, denen die Randgruppen fremd sind. Die Randgruppen sind aber Teil unserer Gesellschaft und auch Teil des Hauptbahnhofes. Wenn sie nicht als dominierende Besetzer des Bahnhofs wahrgenommen werden sollen, muss es drei Ansätze geben. Zum einen muss das Bahnhofsumfeld für die anderen Gruppen annehmbar gestaltet werden und es muss  Angebote für die Randgruppen geben, damit sie ihr Lebensbild verwirklichen können, ohne der Mehrheit der anderen Menschen als erschreckend oder ihnen abstoßend zu erscheinen. Und zum Dritten müssen diese anderen lernen, das Anderssein der Randgruppen zu respektieren.

    Niedrigschwellige Sozialarbeit sollte den Randgruppen helfen, sich gegenüber der Allgemeinheit an Regeln zu halten oder, wenn einzelne es denn wollen den Ausstieg zu finden. Die Vertreibung nützt niemanden wirklich, denn es finden nur Verlagerungen statt, wie z.B. gerade jetzt der Trinkerszene auf den Hansaplatz. Das Mittel der Platzverbote führt zu einem Ping-Pong-Effekt  von Hauptbahnhof nach St.Georg und umgekehrt. Wir denken, dass es in diesem Zusammenhang das Angebot eines Trinkraumes in der Nähe des Bahnhofs in einer Randlage zum Stadtteil geben sollte. Und wir meinen es sollte einen dauernden runden Tisch geben, an dem alle relevanten Gruppen also auch die Randgruppen teilnehmen sollten. Dort sollten neben Respekt füreinander auch Ideen für verträgliche Alternativangebote gefunden werden, die für den Hauptbahnhof und St.Georg gleichermaßen Entlastung bringen können.

    Martin Streb

     
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