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    Ungenehmigte Ferien

    Von Buerger von St. Georg, 02.07.2014.

    Nun waren wir schon wieder ausgebombt und landeten bei Tante Mana am Holzdamm in ihrer Zweieinhalbzimmerwohnung. Mein Bruder, sechs Jahre älter und ich begannen sofort die Gegend zu erkunden. Prima, der Krieg war aus und die Engländer hatten das Areal um das Hotel Atlantic besetzt. Schule war nicht und Kita noch ein Fremdwort. Unten im Haus hatten einige Offiziere Quartier bezogen, die ich erstmal bestaunte und mit kindlichem Charme und was ich für englisch hielt, hau do ju du und mei name is Inge, watz jur name, zu becircen. Das klappte und brachte ein paar Riegel Schokolade ein, die mir mein Bruder sofort abnahm und auf seine Weise gerecht verteilte. Dann besorgte er einen Korb, wie bei Rotkäppchen, in den ich meine aus Lumpen genähte Puppe zur Tarnung legte und wir stiefelten den Tommys hinterher die auf der Straße rauchten. Solange bis sie ihre Kippen wegwarfen, das war das Futter für Vaters abendliche Pfeife. Auch die Aschenbecher in den ausgebrannten oder beschädigten Autos unten an der Alster waren ertragreich. Wenn es regnete kauerten wir auf zerfetzten Rücksitzen und mein Bruder probierte schon mal einen Joint. Verdonnerte mich aber zur Verschwiegenheit. Abwechslung gab es genug, besonders als Tante Manas Mann starb und im Bett in einem der Zimmer lag. Keiner wollte ihn abholen und wenn Verwandte zum kondolieren kamen machten mein Bruder und ich die Totenwache. Nach dem Motto, habt ihr schon mal einen Toten gesehen, präsentierten wir ihn. Nach ein paar Tagen kamen aber doch zwei Männer mit einem großen Papiersack und nahmen ihn mit. Neue Abenteuer mussten her. Die warteten auf der anderen Straßenseite, wo die Engländer auf einem freien Grundstück in einem großen Zelt ein Versorgungslager hatten. Mein Korb  kam wieder zum Einsatz. Bei Dämmerung, wenn eigentlich  schon Ausgangssperre war, krabbelte mein Bruder ins Zelt, ich stand davor Schmiere und musste bei Gefahr meiner Puppe das Lied schlaf Kindchen schlaf vorsingen. Die Beute, mal eine Dose Corned Beef oder Plumpudding, Trockenmilch, Eipulver und Mehl vertickerte dann meine Mutter auf dem Schwarzen Markt auf dem Hansaplatz gegen andere Viktualien. Einmal schenkte mir Ken einer der Offiziere unten ihm Haus eine dicke Scheibe Weißbrot mit Jam. Das war wie Weihnachten, aber mein Bruder wollte die Hälfte abhaben, das fiel mir schwer. Wegen unserer kriminellen Energie machten unsere Eltern sich große Sorgen und wir zogen deshalb bald in einen Schrebergarten, wo wir auf Bezugschein ein Ley-Haus bekamen. Da haben wir nur noch Äppel und Schrott geklaut. Aber Ferien hatten wir immer noch.

    Inge Foerster-Baldenius

     
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