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    Die Lange Reihe im Gewerbe-Check

    Von Oliver Straeter, 02.03.2013.

    „Ah, die Lange Reihe – ist das nicht die Schanze für Erwachsene?“ Diese Beschreibung als Amüsier- und Ausgehmeile für den gesetzteren Szenegänger trifft das Bild, das sich in den letzten Jahren im Bewusstsein vieler Nicht-St.-Georger festgeschrieben hat. Insbesondere an lauen Wochenendabenden pulst das Leben in den Bars, Restaurants und Kneipen des Straßenzugs.

    Für die „einheimische“ Öffentlichkeit scheint überdies längst klar: Die Lange Reihe ist zur gesamtstädtischen Event-Fläche verkommen, die in erster Linie die Bedürfnisse von Amüsierwilligen, Besserverdienenden und Touristen erfüllt und das gute alte St. Georg an den Rand gedrängt hat. Die Nahversorgung steht auf Messers Schneide, Traditionsgeschäfte machen dicht und Spekulanten ihren Reibach.
    Aber wie steht es nun wirklich um die Lange Reihe – jenseits äußerer Zuschreibungen und altlinker Erregungsspiralen?
    Professionelle Begleiter des Stadtteils wie Andreas Pfadt, langjähriger Gebietsentwickler in St. Georg, plädieren für Versachlichung. In der Dezember-Ausgabe der „Blätter“ verweist er auf eigene Untersuchungen, die die Entwicklung der Gewerbestruktur der Langen Reihe zwischen 1987 und 2012 nachzeichnen. Zum einen sei die Anzahl der Geschäfte für Lebensmittel und Getränke von 15 auf zuletzt 20 gestiegen, zum anderen habe sich Die Lange Reihe im Gewerbe-Check Wie Anwohnerinteressen im Szene-Viertel gewahrt bleiben „die Qualität der Nahversorgung (…) mit dem Wandel in den letzten Jahren erheblich verbessert“. Die Stichworte sind hier: Bio-Supermarkt, zwei zusätzliche Wochenmärkte und die Sortimentserweiterung bei Bestandsbetrieben.

    Es bleibt also festzuhalten, dass die Nahversorgung der Bevölkerung alles andere als zusammengebrochen ist. Insbesondere, wenn man den anstehenden Eröffnung eines Supermarkt-Vollsortimenters berücksichtigt und den Blick auf das gesamte Viertel mit zwei Discountern (Penny, Lidl) sowie unzähligen Steindamm-Händlern (Gemüse, Fleisch, Fisch) ausweitet.

    Gleichzeitig zeigen die Zahlen allerdings auch einen deutlichen Anstieg von gastronomischen Betrieben auf der Langen Reihe. Laut Pfadt ist hier eine Zunahme von 25 (1987) auf 40 Betriebe (2012) zu verzeichnen. Ein Trend, der durch fortlaufende Erhebungen des Bezirks Mitte bestätigt wird. Berücksichtigt man die Nebenstraßen und die dort zusätzlich ansässigen Kneipen, Cafés und Restaurants ergibt sich hierbei ein Schlüssel von ca. 80 Bewohnern auf 1 Gastronomie.
    Wie lässt sich nun ein solches Verhältnis einordnen? Ein Vergleich bietet sich an: In „tourismusfrequentierten Innenstadtlagen“ von Städten wie Goslar oder Regensburg werden 150 bis 200 Einwohner auf 1 Gastronomie als vertretbar angesehen. So gesehen ist die Lange Reihe damit gastronomisch deutlich überversorgt – und tatsächlich ist die Befürchtung berechtigt, dass diese Entwicklung noch nicht an ihr natürliches Ende gekommen ist.

    Ziel muss ein nachhaltiger Branchenmix auf der Langen Reihe bleiben.
    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Zu einer echten „Bunten Langen Reihe“, zur Gewerbevielfalt gehört immer auch eine Vielzahl unterschiedlicher Bars, Restaurants und Cafés. Das heutige Angebot an italienischer, iberischer, türkischer, asiatischer, norddeutscher wie bayrischer Küche ist eine Bereicherung und steht dem Viertel gut zu Gesicht.
    Bei zum Teil rasant gestiegenen Mieten ist allerdings fraglich, ob in Zukunft noch andere Geschäftsmodelle funktionieren als die gastronomischen und ob Platz bleibt für das Nähmaschinenhaus, das Hutgeschäft, den Buchladen oder den asiatischen Devotionalienhändler. Geschäfte, die die Straße dringend braucht, um ihr besonderes Flair nicht zu verlieren.
    Welche Instrumente sind also sinnvoll, um hier nachzusteuern?
    Die Diskussion kreist seit einiger Zeit um Stichworte wie eine „Soziale Erhaltenssatzung für das Gewerbe“ oder „Milieuschutz“ mit entsprechenden Mietpreisdeckelungen. Dabei wird gerne außer Acht gelassen, dass es sich hierbei um Gesetzgebungen in der Kompetenz des Bundes handelt – dicke Bretter, die hier zu bohren wären.
    Viel effektiver scheinen zwei andere Ansätze zu sein, die in der unmittelbaren Einflusssphäre liegen und sich zudem ergänzen.

    Zum einen müssen Bezirk und Bezirkspolitik die mit dem „Runden Tisch“ begonnene Diskussion mit den Grundeigentümern fortsetzen. Hierhat sich gezeigt, dass die Gewerbemieten der Langen Reihe nicht einheitlich hochpreisig sind und es nach wie vor Immobilienbesitzer gibt, die Wert auf eine langfristige, gesunde Mischung legen. Maximale Renditeerwartung gehört glücklicherweise nicht zu jedermanns Zielsetzung. Diese Überzeugung muss gestärkt werden.

    Zum anderen bietet es sich an, die weitere Ausdehnung von Restaurants, Cafés und Kneipen über die Bebauungspläne
    rechtlich zu begrenzen. Mit geringfügigen Änderungen an den gültigen B-Plänen ist es faktisch möglich, bestehenden Betrieben
    Bestandsschutz einzuräumen, gleichzeitig aber gastronomische Neueröffnungen nicht automatisch zulassen zu müssen. Der Bezirk Altona hat im letzten Jahr für das Schanzenviertel, in dem es eine ähnlich hohe Dichte an Kneipen, Bars und Restaurants gibt, ein solches Instrument erfolgreich eingeführt. Seitdem sind auf Schulterblatt & Co. keine Umwandlungen von Geschäften mehr erfolgt. Ein gutes Beispiel auch für den Bezirk Mitte und seine Lange Reihe.

     
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